
Dunkel blüht der Enzian
Inhaltliche Kurzfassung
Als Nataša Pajić auf Dienstreise in Minsk ist und ihr Freund und Kollege Aleksey verhaftet und beschuldigt wird, sensible Kundendaten missbraucht zu haben, wittert sie eine Verschwörung innerhalb des österreichischen Konzerns für den beide tätig sind. Auf der Suche nach Antworten und Beweisen für Alekseys Unschuld erkennt sie, dass die Wahrheit weit komplexer und gefährlicher ist, als sie es je für möglich gehalten hätte und für sie nicht ohne Konsequenzen bleibt.
Genre
Dunkel blüht der Enzian ist ein Politthriller in Spielfilmlänge, der von wahren Begebenheiten inspiriert ist. Alle Figuren, samt Namen und Biographie sind frei erfunden.
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Am 10. Dezember 2021 wird der Pressesprecher der A1 Belarus, Nikolay Bredelev, in Minsk festgenommen. Er wird beschuldigt, sensible Unternehmensdaten genutzt zu haben, um einen terroristischen Akt gegen den weißrussischen Staat zu begehen. Außerdem wird ein erniedrigendes Geständnis-Video veröffentlicht, das persönliche Informationen zu seinem Privatleben enthält. Ich sitze ca. 1000 Kilometer weit weg in Wien an meinem Schreibtisch, als ich davon auf Twitter lese. Ich kanns zuerst gar nicht glauben. Nikolay ist mein Kollege. Wir kennen uns nicht direkt, nur von E-Mail Verläufen und Online Meetings. Obwohl der Konzern Stellung bezieht und sich committed alle Anschuldigungen aufzuklären, habe ich ein schlechtes Gefühl.
Tage vergehen und es gibt keine Updates dazu. In der Zwischenzeit habe auch ich sein Geständnis-Video gesehen. Es ist erniedrigend. Nikolays Zugeständnis dass er Männer liebt soll seinen faulen Charakter bestätigen. Sein Outing hat nichts in diesem Video verloren, genauso wenig wie die angebliche Beweislast aus seiner Wohnung. Mir wird schlecht. Hinzu kommt, dass konzernintern ziemlich rasch geklärt wurde, dass Nikolay weder die Berechtigungsstufe noch die physische Möglichkeit hatte, auf Kundendaten zuzugreifen, aber dazu gab es zu dem Zeitpunkt keine konkrete öffentliche Aussage. Das war alles schon sehr komisch. Ich muss etwas tun. Die nächsten Wochen und Monate verbringe ich mit Recherche. Ich durchsuche Zeitungsarchive, google Leute, zeichne Zeitleisten, verbringe Stunden in russischen Foren und werde tatsächlich fündig.
Ich erfahre zum Beispiel, dass der Kauf der weißrussischen Tochter Teil des großen Telekom Skandals ist, oder das A1 Belarus vorgeworfen wird das Internet abgeschaltet zu haben während und nach der Wahlen 2020 in Belarus um der Opposition den Informationsaustausch zu erschweren. Ich recherchierte weiter, auch abseits der A1 und immer mehr Fragen tauchten auf: Wieso war Österreich das einzige Land in der EU, das in den Jahren vor dem russischen Überfall auf die Ukraine Lukaschenko empfangen hat? Oder wieso ist ausgerechnet Österreich nach Russland der größte Investor in Belarus? Welche Bindung gibt es zwischen den zwei Ländern?
Und dann wurde es richtig bizarr. In einem russischen Forum bin ich auf ein Video gestoßen. Es zeigt den weißrussischen Präsidenten Lukaschenko zu Jahresbeginn 2022, wie er vor dem voll versammelten weißrussischen Parlament eine einstündige Rede hält. Es geht um das bevorstehende Jahr, wirtschaftliche Errungenschaften und die Brüderlichkeit zu Russland, doch dann wendet sich Lukaschenko zur Kamera und droht A1 namentlich mit schärfsten Maßnahmen und einer Überprüfung durch das OAZ (Operatives-Analyse-Zentrum) im April 2022. Spätestens ab diesem Zeitpunkt bin ich mir damals sicher, dass er etwas gegen Österreich in der Hand haben musste und dieses Schauspiel eine Art Signal oder Warnung an den österreichischen Staat war. Vielleicht erpresste er die österreichische Regierung, oder einen bestimmten Politiker, vielleicht war Österreich sogar an den Wahlmanipulationen beteiligt. Hochmotiviert recherchierte ich weiter, doch nach kurzer Zeit kam die große Ernüchterung. Ich bin nicht mehr weitergekommen in meiner Recherche und irgendwann hat meine Fantasie überhandgenommen. Es ging sogar so weit, dass ich glaubte, einen KGB Agenten im Wiener Büro sitzen zu haben. Schließlich musste ich mich davon distanzieren und habe alle Informationen, die ich zusammengetragen habe, in ein Dokument gepackt und verstaut. Ich konnte Nikolay ohnehin nicht helfen und zu dem Zeitpunkt war auch nicht klar, ob er überhaupt noch am Leben ist. Seitdem habe ich ab und zu über Nikolay nachgedacht und darüber, ob mir sowas in Österreich auch hätte passieren können.
Welchen Preis sind wir als Gesellschaft bereit zu zahlen, um unseren Rechtsstaat zu wahren? Kann es dennoch falsch sein, etwas Richtiges zu tun? Entscheiden wir allein über unser Schicksal, oder leben wir in einer Illusion, in der wir glauben, die volle Kontrolle über unser Leben zu haben? Und wenn alles nur Schein ist, gibt es dann wenigstens eine karmische Gerechtigkeit? In “Dunkel blüht der Enzian”, versuche ich, Antworten auf diese Fragen zu geben.